Abaelard Pierre

geboren 1079 in Palet (bei Nantes), gestorben am 21. April 1142 im Kloster Marcel bei Chalon

Der französische Philosoph, Theologe und Logiker Abaelard war Schüler von Roscelin von Compiègne und Wilhelm von Champeaux.

Mitbegründer des mittelalterlichen Denkens in mehrfacher Hinsicht: method. (-> Dispulation) durch seine scharfsinnig-dialektische Unterscheidungskunst; antolog. durch seine Stellungnahme im Universalienstreit (-> Universalien), in dem er im Ggs. zu seinem Lehrer Roscelin einen gemilderten Nominalismus (Konzeptualismus) vertrat; ethisch durch die Betonung der Gesinnung als Grundlage für die sittliche Beurteilung einer Handlung; theologisch durch den Versuch einer Vereinigung von Glauben und Wissen, aber auch durch Kritik an mehreren Dogmen, die kirchliche Verurteilungen nach sich zog.

Seine dialektisch-logischen Werke brachten ihm den Beinamen Peripateticus Palatinus ein. 1121 auf der Synode von Soissons und 1140 auf der Synode von Sens wurden seine Schriften durch die Kirche verurteilt.

Der Tradition der Platon Akademie folgend untergliederte Abaelard die Philosophie in Physik, Ethik und Logik.

Im Streit mit den Realisten über die Natur der Allgemeinbegriffe stand er auf der Position eines gemässigten Konzetualismus und schwächte damit den extremen Nominalismus seines Lehrers Roscelinus ab. Die Universalien sind bei Abaelard Bedeutungen von Wörtern, die zur Klasse der Gegenstände gehören.

Abaelard untersuchte die Rolle der Kopula im Urteil, analysierte den Syllogismus, die Mittel der Begriffsbestimmung und der Einteilung des Begriffsumfangs, verwendete in logischen Operationen bestimmt Regeln und Benutzung der Implikation und der Alternative und behandelte eine Reihe von Problemen der modalen Logik.

Er lernte die 16 Jahre alte Héloïse kennen und wurde ihr Privatlehrer. Beide verliebten sich ineinander. Dass die Liebe zwischen dem 22 Jahre älteren Abaelard und seiner chülerin nicht nur geistige Momente hatte, sondern auch die körperliche Seite einschloss, zeigte sich an den Briefen der beiden und daran, dass sie schwanger wurde.

Aus Wut über den Vertrauensbruch liess Fulbert den verhassten Abaelard kastrieren. Dieser zog sich darauf ins Kloster St. Denis zurück. Héloïse ging mit ihrem Kind ins Haus ihres Onkels, wo sie jedoch nicht willkommen war und so folgte sie dem Rat Abaelards, nahm den Schleier und ging wieder nach Arenteuil.