In Liebe und Dankbarkeit gedenken wir:

Gertrud Länzlinger-Leuthardt, 14.03.1923 – 26.02.2016

Brand Heinrich, 16.10.1920 – 08.03.2013

Brand Heinrich

Am Samstag, 16. März 2013, fand sich eine grosse Trauergemeinde in der Abdankungshalle in Oberkirch ein, um Abschied zu nehmen von Heinrich «Heini» Brand. Sein Lebenskreis hatte sich am Freitagmorgen, 8. März 2013, geschlossen, als er nach kurzer Krankheit im 93. Altersjahr sanft entschlafen ist. Mit ihm ist auch ein Stück Frauenfelder Stadtgeschichte gegangen, hatte er als amtsältester Geschäftsinhaber in Frauenfeld seine Papeterie in der Vorstadt doch erst im letzten Sommer – nach 52 Jahren – aufgegeben.

Geboren war Heinrich Brand in Buckten BL, wo er gemeinsam mit seinen Eltern und sechs Schwestern die ersten Lebensjahre verbrachte. In jenen Jahren eignete er sich auch den Basler Dialekt an, den ihn zeitlebens prägte. Später zog die Familie nach Wangen bei Olten. Mit der Ausbildung zum Buchdrucker fasste er Fuss im Druckereigewerbe. Während zweieinhalb Jahren leistete Heinrich Brand damals auch Aktivdienst in Liestal, worüber er später gern und viel zu erzählen wusste. Schon früh heiratete der junge Berufsmann ein erstes Mal, nach wenigen Jahren wurde die Ehe – aus der eine Tochter hervor ging – aber wieder geschieden. Später lernte er seine zweite Frau Trudi kennen.
Die Suche nach der beruflichen Eigenständigkeit führte die Familie Brand im Jahr 1960 nach Frauenfeld, wo sie in der Vorstadt die Papeterie mit angeglie­ derter Druckerei übernahm. Dank den guten Dienstleistungen wuchs der Betrieb rasch auf eine stattliche Grösse. Entscheidend dafür war das grosse Engagement von Heinrich Brand, das weit über die Geschäftstätigkeit hinaus ging. Für ihn als Basler Fasnächtler lag es auch nahe, die Geburt der Frauenfelder Narrengesellschaft Murganesen im Jahr 1966 aktiv zu unterstützen. Und privat wurde das Familienglück mit der Geburt von Tochter Janine perfekt. Über die Jahre hinweg erlebte Heinrich Brand auch schwere Rückschläge. Diese verlangten ihm einiges ab und setzten ihm stark zu. Seine Frau Trudi starb im Jahr 1986 nach schwerer Krankheit. Und 2001 verlor er seine spätere, langjährige Lebenspartnerin Doris Näf. Gleichwohl haderte Heinrich Brand nicht mit dem Schicksal. Er blieb eine Frohnatur, die sich gerne ein Feierabend-Bier mit Freunden gönnte. In seiner Freizeit ging er oft in die Höhe – ins Bündnerland, Toggenburg oder Appenzellerland. Mit besonderer Freude verfolgte er die Fussballspiele seines FC Basel am Bildschirm und war auch Dauergast beim Stamm der Ehemaligen-Gilde Murganesen. Die wichtigsten Bezugspersonen waren seine Tochter Janine mit ihren drei Kindern, die Familien seiner verstorbenen Lebenspartnerin sowie Helen Hofer, mit der er ausgedehnte Gespräche führte.
Unzählige Kundinnen und Kunden, Freude sowie Bewunderer seines langjährigen Engagements liessen es sich Ende Juni letzten Jahres nicht nehmen, Heinrich Brand in der Papeterie persönlich aus dem Berufsleben zu verabschieden. Er, der mit seiner freundlichen und liebenswürdigen Art einen besonderen Charme ausstrahlte, freute sich auf die «Zeit danach». Das Wohn- und Geschäftshaus in der Vorstadt hatte er geraume Zeit zuvor bereits verkauft und eine Eigentumswohnung im Kurzdorf bezogen. Leider kündigte eine Krankheit in den letzten Monaten des Jahres 2012 das Ende dieser «Zeit danach» an. Dankbar für ein reiches Leben nahm Heinrich Brand gefasst Abschied von seiner Familie und Freunden. Nun ist er gegangen – der Geruch von Tabakrauch, Papier, Karton und Leder-utensilien freilich, der Tag für Tag durch die Räumlichkeiten in der Papeterie in der Vorstadt gezogen war – wird vielen in Erinnerung bleiben. Und damit auch der Gedanke an einen grossartigen Menschen.
Andreas Anderegg

Christian H. Köpfer, 30.07.1946 – 07.03.2013

Koepfer-Christian

Viel Herzblut für Frauenfeld

Journalisten sollen Geschichten schreiben und nicht Geschichten machen. Diesen Sinnspruch von Rudolf Augstein schlug Christian H. Köpfer stets in den Wind. Er schaffte spielend beides. Der stets umtriebige, ideenreiche und mit feiner Basler Ironie gesegnete Medienschaffende ist am 7. März in seinem 67. Lebensjahr nach geduldig ertragener Krankheit im Kantonsspital gestorben.

Christian H. Köpfer wuchs in Basel auf und wurde Journalist. Seine ersten Berichte druckte die «National-Zeitung» – heute «Basler Zeitung» – ab. In den 1970er-Jahren zog er nach Frauenfeld und arbeitete als Lokalredaktor während eines halben Jahrzehnts bei der «Thurgauer Volkszeitung». Als grosser Menschenfreund fand er rasch Zugang zur hiesigen Gesellschaft und engagierte sich weit über seine Arbeit hinaus für die Gesellschaft. Mit seinem Basler Fasnachts-Hintergrund amtete er gleich zwei Mal als Frauenfelder Obernarr, begleitete die ersten Thurgauer Frühjahrsmessen und suchte sich als begnadeter Conférencier seine kleineren und grösseren Bühnen. Als Verfasser von neckischen Songs trat er schon mal mit seinem Banjo an der Seite von Jeff Turner auf. Christian H. Köpfer genoss das Leben genauso wie das Bad in der Menge.
Seine journalistische Karriere führte ihn weg von Frauenfeld. Er wirkte als Chefredaktor im Rheintal und später als Nachrichtenchef bei der «Schweizerischen Politischen Korrespondenz» (SPK). Er wurde Herausgeber eines Gastro-Magazins sowie der Aviatik-Zeitschrift «Cockpit». Zeit seines Lebens hatte es ihm nämlich die Fliegerei angetan. In der Freizeit besuchte er rund um den Erdball Flughäfen und Flugplätze und registrierte fachkundig Flugzeugtypen. Wenn immer möglich, flog er mit den absonderlichsten Fluggeräten und Oldtimern mit und berichtete nicht ohne Stolz über seine aviatischen Eroberungen.
In einer renommierten Zürcher Kommunikationsagentur erlernte Christian H. Köpfer das Handwerk des professio-nellen Marketings und der PR. In Frauenfeld gründete er schliesslich seine eigene Agentur. In ihrer Blüte beschäftigte er an der Kurzfeldstrasse fünf Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Damals beriet er Unternehmen und Organisa­tionen in Marketing-, Kommunikations- und Werbefragen. Er pflegte eine illustre Kundschaft aus der gehobenen Gastronomie, dem Transport- und dem Ausstellungswesen. Dabei strotzte er nicht nur vor Ideen – er setzte sie auch präzise um. Auf dem Höhepunkt seines Schaffens dozierte er daneben Marketing an der FDP-nahen Friedrich-Naumann-Stiftung in Deutschland, war Lehrer an der ersten privaten Business School der Schweiz und verhalf spröden Managern zu lebhaften Auftritten.
Doch der kreative Freigeist Köpfer war für die Härte des Geschäftslebens nur zum Teil geschaffen. Zu oft vertraute er Menschen und musste später feststellen, dass sie seine Zuneigung missbraucht hatten. Selbst solche Enttäuschungen vermochten seine Offenheit gegenüber Menschen, seinen Optimismus und seine Freude am Leben nicht merklich zu trüben.
Wo auch immer Christian Köpfer anzutreffen war – er ist stets ein begeisterter Frauenfelder geblieben. Die Stadt hat ihm viel zu verdanken – und er wohl auch ihr: Köpfer schuf die erste «Bahnhofzeitung», aus der schliesslich die heutige Einwohnerzeitung «Frauenfeld.ch» hervorgegangen ist. Er schrieb das Buch über den unterirdischen Kreisel und lies seine Ideen in mannigfache Jubiläen, Feste und Feiern einfliessen.

In den letzten zehn Jahren seines Lebens liess es Christian H. Köpfer etwas ruhi­ger angehen. Tagelange Wanderungen – vorzugsweise im Schwarzwald – und das Schreiben traten in den Mittelpunkt. Er verfasste einige Bücher – unter anderem einen 20 000-fach verkauften Reiseführer für Bahn-Rundfahrten. Dazu gesellten sich Schriften etwa über die Bahnhofsneubauten in Weinfelden und Romanshorn. Am Schluss waren es auch Gedichte und Essays, die dem inzwischen nimmermüden Rentner leicht aus der Feder flossen – und heute unveröffentlicht auf seinem Pult liegen. Vor einem Jahr bekam er den Bescheid, dass er Blutkrebs habe. Bis zuletzt hoffte er, dass er seinem Leben noch jene Zeit abringen könnte, um die angefangenen Arbeiten abzuschliessen. Sie sollte ihm nicht vergönnt sein. Mit Christian H. Köpfer verliert Frauenfeld einen originellen, humorvollen und zu Gemüte gehenden Freund.
Armin Menzi

Werner Rösch, 19.02.1930 – 11.11.2010

roesch_werner